Marion Eichmann, Times Square, 2012, Pigmentliner, farbiger Karton © Foto: Roman März

AUSSTELLUNGEN 2020


Liebe, Traum & Tod. Max Klingers druckgrafische Folgen

1. Februar bis 26. April 2020

Max Klinger, dessen Todestag sich 2020 zum 100. Mal jährt, zählt zu den bedeutendsten deutschen Künstlern der Zeit um 1900. Vor allem sein grafisches Werk sollte wegweisend werden. In 14 druckgrafischen Folgen zeigt Klinger seine enorme gestalterische Wandlungsfähigkeit. Die Werke begeistern durch prägnante Bildfindungen, gedankliche Tiefe und überbordende Fantasie. Die Themen sind breit gefächert: Traumvisionen treffen auf Sozialkritik, Humorvolles steht neben Tragischem.
Drei Grafikzyklen Max Klingers stehen im Zentrum der Waiblinger Ausstellung: Die 1881 erschienene Folge Ein Handschuh gehört zu den berühmtesten Arbeiten des Künstlers. Sie entführt den Betrachter in eine bizarre Traumwelt und erzählt von Leidenschaft, Verlust und großen Abenteuern. Ein Leben von 1884 schildert den Lebensweg einer „gefallenen Frau“ bis zum tragischen Ende in der Gosse. Erstmals setzte sich damit ein deutscher Künstler der Jahrhundertwende mit dem Thema Prostitution auseinander. Klinger verbindet dabei harsche Kritik an der Doppelmoral seiner Zeit mit philosophischen Fragen zur Schicksalshaftigkeit menschlichen Daseins. Mit Vom Tode. Erster Theil widmete der Künstler 1889 der Endlichkeit des Lebens einen eigenen Grafikzyklus, der dem traditionellen Totentanz-Thema überraschend neue Seiten abgewinnt. Weitere druckgrafische Folgen Klingers werden mit einer Auswahl ihrer schönsten Blätter vorgestellt.


Marion Eichmann: Follow M.E.

30. Mai bis 18. Oktober 2020

Unter dem Titel Marion Eichmann: Follow M.E. präsentiert die Galerie Stihl Waiblingen über die Sommermonate 2020 die in Deutschland bisher umfangreichste Werkschau der Berliner Künstlerin Marion Eichmann (geb. 1974). Ob weiß oder farbig, dick oder dünn – Papier ist das Material ihrer Wahl. Sie bearbeitet ihren Zeichenblock mit lebhaftem Strich, schneidet akribisch Flächen und feine Details aus Karton aus und lässt farbstarke Collagen bis hin zu raumgreifenden, täuschend realistisch wirkenden Installationen aus Papier entstehen. Marion Eichmann ist viel unterwegs, daher zeichnet die Ausstellung ihre künstlerische Entwicklung anhand ihrer Reisen in die Millionenstädte dieser Welt nach. Die Schau lädt dazu ein, der Künstlerin von Tokyo über New York und Istanbul bis nach Berlin zu folgen. Der Reizüberflutung der Großstädte setzt Marion Eichmann ihren scharfen Beobachtungssinn und ihr konzentriertes Arbeiten entgegen: Sie nimmt ungewöhnliche Perspektiven auf die berühmte Shibuya- Kreuzung in Tokyo oder die unzähligen Backsteinfassaden in New York ein. Mit dem Zeichenstift saugt sie die Atmosphäre belebter Straßenzüge in Istanbul auf und entdeckt mit dem Papierschnitt die Schönheit Berliner Plattenbauten. Sogar einen von ihr bis ins kleinste Detail aus Papier gebauten Waschsalon werden Besucherinnen und Besucher in der Ausstellung betreten können.
Eichmanns Werk ist voller Gegensätze. Sie spielt mit Nähe und Ferne, Linie und Fläche ergänzen einander. Das facettenreiche Werk der Künstlerin lässt Betrachterinnen und Betrachter staunen und oftmals überrascht innehalten – entweder weil Fremdes neu entdeckt oder Vertrautes plötzlich ganz anders wahrgenommen wird. Angetrieben von Neugierde und sensibler Wahrnehmung reizt Marion Eichmann alle Möglichkeiten aus, die ihr das Material Papier bietet und ist somit als eine der spannendsten und konsequentesten Künstlerinnen ihrer Generation zu entdecken.


Im Rausch der Zeit. Expressionismus von Kollwitz bis Klee

4. Dezember 2020 bis 28. Februar 2021

Die Druckgrafik des Expressionismus zählt zu den herausragenden künstlerischen Leistungen des 20. Jahrhunderts. Ab Herbst 2020 präsentiert die Galerie Stihl Waiblingen rund 100 Arbeiten aus dem reichen Bestand des Osthaus Museums Hagen. Große Namen wie Max Beckmann, Otto Dix, Erich Heckel, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Alfred Kubin und Karl Schmidt-Rottluff sowie bedeutende westfälische Expressionisten wie Wilhelm Morgner und Walther Bötticher prägen die Sammlung. Mit einem umfassenden Konvolut von Käthe Kollwitz wird die Schau eine starke weibliche Perspektive in den Vordergrund rücken.
Die Ausstellung spannt den Bogen von 1893 bis 1962, wodurch ein umfassender Einblick auf die Entwicklung des formal sehr heterogenen Kunststils vermittelt werden kann. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf die politisch wie wirtschaftlich brisanten 1920er-Jahre gelegt. Während nur kleine Teile der Bevölkerung zur Zeit der Weimarer Republik vom ökonomischen Aufschwung durch die Hochindustrialisierung profitierten und in den Städten die Vergnügungsindustrie boomte, hatte die große Mehrheit mit Wohnungsnot, Nahrungsmangel und Niedriglöhnen zu kämpfen. Der Expressionismus wird zum Ausdrucksmittel für Empfindungen und dient der Äußerung von Kritik an bestehenden gesellschaftlichen Zuständen. Daher steht im Fokus der Ausstellung insbesondere der Mensch – als fühlendes, leidendes und hoffendes Wesen. Themen wie das Verarbeiten von Kriegserfahrungen, die Distanzierung von der Kirche, ein Gefühl der Haltlosigkeit sowie Zukunftshoffnungen haben an Aktualität nicht verloren und spiegeln sich in den Werken der Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts ergreifend wider.