Gewitzt, gewagt, gezeichnet: Der Simplicissimus

19. November 2022 bis 12. Februar 2023


Der Simplicissimus gilt als eine der bedeutendsten politisch-satirischen Wochenschriften im deutschsprachigen Raum. Rund 125 Jahre nach Gründung der Zeitschrift widmet sich die Galerie Stihl Waiblingen Ende 2022 deren relevantesten Themen rund um Gesellschaft und Politik und stellt die wichtigsten Kunstschaffenden vor, die den Simplicissimus vor allem in seiner Hochphase – von der Gründung 1896 bis zum Ersten Weltkrieg – maßgeblich prägten.

Von dem Verleger Albert Langen zunächst mit literarischem Fokus gegründet, schlug der Simplicissimus in den Folgejahren große Wellen: Er kombiniert Unterhaltungsfaktor mit scharfer Kritik, leicht-frivole Alltagsgeschichten mit harter Lebensrealität. Das Zusammenspiel von großformatigen, farbigen Zeichnungen begnadeter Künstlerinnen und Künstler mit humorvollen Bildunterschriften spricht eine breite Leserschaft an und hält ihr dabei den Spiegel vor. Konkurrenzblätter wurden schnell in den Schatten gestellt. Zur Riege der ständigen Mitarbeitenden gehörten neben Thomas Theodor Heine, der das Blatt zeichnerisch wie thematisch maßgeblich prägte, unter anderem auch Ferdinand von Rezniček, Bruno Paul, Eduard Thöny, Wilhelm Schulz, Karl Arnold und Olaf Gulbransson. Auch Heinrich Zille und Käthe Kollwitz leisteten als freie Kunstschaffende immer wieder einen Beitrag für den Simplicissimus. Die oftmals harschen Themen der Zeitschrift werden durch ihr Wappentier, die bissige rote Bulldogge, verkörpert und sind äußerst vielgestaltig: Neben der Innen- und Außenpolitik des Kaiserreichs und der Weimarer Republik setzt sich die Zeitschrift mit gesellschaftlichen Phänomenen auseinander. Sie karikiert Machthaber genauso wie Militär und Bürgertum, bedient und hinterfragt zugleich Klischees rund um den stumpfen bayerischen Biertrinker, die Willkür der Justiz und die emanzipierte Frau. Auch die antiklerikale und antifeudale Haltung des Blattes kommt zum Ausdruck, welches sich aufgrund seiner offenen Anprangerungen der Obrigkeiten mit Anklagen wegen Majestätsbeleidigung und Zensur konfrontiert sah. Ernste soziale Themen wie Armut und Prostitution, Wohnungsnot und Inflation fanden ebenso Einzug in die Zeitschrift wie seichtere, unterhaltende Blätter rund um technische Neuerungen (Fahrrad, Auto und die Luftfahrt kamen auf), Karneval, Sport, Mode und das neckische Miteinander von Mann und Frau.
Mit einer Vielzahl originaler Zeichnungen, Drucke und gebundener Zeitschriften ermöglicht die Ausstellung einen umfassenden Einblick in Gesellschaft und Politik im Spiegel des Simplicissimus und lädt neben einer intensiven Auseinandersetzung mit den historischen Themen immer wieder zum Schmunzeln ein.