Spiegel der Seele

AUSSTELLUNGEN 2016


GOYA. Groteske und Karneval

30. Januar bis 1. Mai 2016

Als erste Ausstellung des Jahres 2016 zeigt die Galerie Stihl Waiblingen Werke aus den großen Radierzyklen des spanischen Malers Francisco José de Goya y Lucientes (1746-1828). Es handelt sich um Bildergeschichten, die lange vor Wilhelm Busch, Honoré Daumier oder Otto Dix entstanden sind, diese Art des Erzählens in und mit Bildern aber entscheidend prägten. Goya begann mit seinen grafischen Arbeiten im Jahr 1797. Es entstanden vier große Zyklen, in denen jedes einzelne Blatt ein unvergessliches Gleichnis des Menschen darstellt. Mit feinsten Farbabstufungen und malerischen Valeurs revolutionierte Goya die Technik des Radierens, indem seine Bilder den Kontrast von hellen und dunklen Flächen zum Verschwinden bringen. Neben dieser technischen Meisterschaft sind Goyas Werke ein Vorbild für die Darstellung des Grotesken. Sie spiegeln die spanische Gesellschaft am Ende des 18. Jahrhunderts in rätselhaften, fantastisch-surrealen Darstellungen wider und entlarven die Absurdität einer von Kriegen und Gräueln gezeichneten Zeit. Goyas Bildergeschichten erzählen vom Traum und vom Wahnsinn, sie loten die Extreme von Liebe und Tod aus und weisen wie selten zuvor mit eindringlicher Anschaulichkeit darauf hin, dass die Wirklichkeit schockierend und das Abbild der Kunst mehrdeutig sind. Die 80 Blätter des Zyklus der Caprichos vermitteln mit karnevalesk anmutenden, launigen Einfällen, die Schönheit und den Schrecken des menschlichen Daseins. Nach den 1799 publizierten Caprichos entstand um 1808-1814 ein weiterer Zyklus unter dem Titel Desastres de la Guerra, der erstmals 1863 veröffentlicht wurde, aus dem eine Auswahl zu sehen sein wird. Ebenso werden Blätter aus der Tauromaquia von 1815/16 sowie aus dem zwischen 1816 und 1824 geschaffenen Zyklus Disparates (auch Proverbios genannt) gezeigt. Leihgeber der Ausstellung ist das Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaften in Freiburg i. Brsg.


COLLAGE! DÉCOLLAGE!!

4. Juni bis 28. August 2016

Mit einer Schau einzigartiger Collagen und Décollagen zeigt die Sommerausstellung eine Reihe international berühmter Künstler und lenkt zudem den Blick auf eine in Waiblingen bislang noch nie gezeigte Technik: die Collage.
Die Technik der Collage erhält eine völlig neue Bedeutung durch das markante Zerreisen und Schichten von Papieren in der Verfahrensweise des Décollagierens. Der dänische Künstler Asger Jorn (1914-1973) schuf ab 1964 Arbeiten, die den physischen Umgang mit dem Papier spiegeln und ein reliefartiges Bild aus Papier erzeugen. Er knüpft damit an Werke der Pariser Affichisten der 1950/1960er-Jahre an, so dass die Ausstellung den Vergleich mit anderen Papierarbeiten und weiteren Künstlern wie Jacques de la Villeglé, Mimmo Rotella, Raymond Hains und Wolf Vostell verfolgt. Sie vermittelt, wie in den bildenden Künsten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts neue Bildformen erprobt werden und andere Bildauffassungen sich durchsetzen. Mit dem Aspekt des experimentierfreudigen Arbeitens mit dem Material Papier präsentiert die Ausstellung in Waiblingen erstmals programmatisch die Kunstform der Collage mitsamt ihrem Gegenstück, der Décollage: Im Gegensatz zur Collage, bei der gerissene und geschnittene Papiere neben- und untereinander kleben, zeigen Décollagen bereits übereinander geklebte Papierschichten, die nachträglich künstlerisch bearbeitet werden. Diese gebrauchten Papiere, zumeist Plakate, stammen von öffentlichen Wänden und spiegeln damit die ganze Bandbreite der Stadt in der Erfahrung des Sammelns, aber auch das Spiel mit Proportionen vom kleinen Fragment bis zum monumentalen Format. Bekannt für diese avantgardistische Arbeitsweise sind neben den Pariser Affichisten die Mitglieder der internationalen Künstlergruppe CoBrA, deren Name für Copenhagen, Brüssel, Amsterdam steht und als deren Gründungsmitglied Asger Jorn bekannt ist.
Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Kunsthalle Emden, die im Jahr 2013 eine Werkschau zu den Collagen von Asger Jorn präsentierte. Weitere Leihgeber aus privaten und öffentlichen Sammlungen kommen hinzu.