Luise Duttenhofer: Ludwig Uhland als Advokat, 1817

Scharf geschnitten. Vom Scherenschnitt zum Papercut

27. Januar bis 22. April 2018

Zum Auftakt ihres 10-jährigen Jubiläums widmet sich die Galerie Stihl Waiblingen dem Scherenschnitt – einer Technik, die wie kaum eine andere das Papier selbst in den Fokus rückt: nicht einfach als Bildträger, sondern als Material, aus dem unmittelbar Formen und Figuren entstehen.

Die Kunst des Scherenschnitts besteht im Weglassen. Streng auf ihre Umrisse reduziert, sind die Motive doch klar erkennbar. Mit Schere und Messer „gezeichnet“, bestechen die ausgestellten Arbeiten aus Vergangenheit und Gegenwart durch höchste Kunstfertigkeit und gestalterische Vielfalt.

Die traditionelle Technik des Papierschneidens und ihre Blütezeit um 1800 beleuchten namhafte Künstler wie die Waiblingerin Luise Duttenhofer (1776 –1829). Duttenhofer, die zu Lebzeiten weit über die Region hinaus bekannt war, greift typische Themen ihrer Zeit auf. Silhouettenporträts von Freunden und bekannten Persönlichkeiten stehen neben dekorativen Blumenmotiven und Märchenhaftem. Handwerkliche Präzision und genaue Beobachtungsgabe verbindet sie mit einem häufig ironischen, mitunter auch kritischen Blick auf ihre Zeitgenossen.

Wie die historischen Werke bis in die zeitgenössische Kunst nachwirken, wird die Ausstellung an ausgewählten aktuellen Arbeiten internationaler Künstlerinnen und Künstler aufzeigen. Inspiriert von der Scherenschnittkunst um 1800, greifen sie deren traditionelle Gestaltungsformen und Themen auf und interpretieren diese auf vielfältige Weise neu. Die Bandbreite reicht von klaren Konturen und historischen Zitaten über Dekorativ-Verspieltes bis hin zur auf die Spitze getriebenen, nüchternen technischen Perfektion. Dreidimensionale Scherenschnitt-Objekte, die die Wandfläche hinter sich lassen, und Inszenierungen durch Projektionen erweitern die Grenzen des Mediums.